22.08.2011 - Land
Themengebiet: Finanzen und Steuern
Autor: CDU - LV Hessen
Zukunftsforum "Finanzplatz Frankfurt" diskutiert über Börsen-Fusion
Für seine aktuellste Veranstaltung hat das Zukunftsforum „Finanzplatz Frankfurt“ (ZFF) das Vorstandsmitglied der Deutsche Börse AG, Herrn Gerstenschläger, sowie Herrn Hubertus Väth, Geschäftsführer des Vereins „Frankfurt Main Finance e.V., gewinnen können, um über die geplante Fusion der Deutsche Börse AG mit der NYSE-Euronext zu diskutieren. Die Veranstaltung fand diesmal im „House of Finance“ der Goethe-Universität in Frankfurt am Main statt.
Nach einer Begrüßung durch den Geschäftsführer des ZFF, Herrn Florian Brechtel, verschaffte Herr Gerstenschläger den Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zunächst einen Überblick über die Gruppe „Deutsche Börse“ und ihr derzeitiges Geschäftsmodell. Im Anschluss daran berichtete er über die Überlegungen, welche zur geplanten Fusion mit der NYSE Euronext geführt haben und warum man sich für diesen Partner entschieden habe.
Er schilderte dann die Komplexität des Fusionsprojektes, das unter anderem mit 47 Regulierungsbehörden in einer Vielzahl von Jurisdiktionen zu verhandeln sei. Dabei seien vor allem die Behörden in Wiesbaden (Wirtschaftsministerium), Brüssel (EU) und den USA (SEC) die entscheidenden.
Er bedauerte dabei sehr, dass sich dadurch der Fusionsprozess sehr in die Länge ziehen und damit verständlicherweise auch Unruhe bei den Mitarbeitern entstehen würde. Einige Details könnten dabei einfach schlichtweg noch nicht genannt werden, da diese von einigen großen Meilensteinen abhingen, die jetzt erst in den nächsten Wochen entschieden würden.
Im Anschluss daran hatten auch noch die Gäste Gelegenheit, ihre Meinungen zu äußern und Fragen zu stellen. Insbesondere der frühere Börsenvorstand Potthoff, der mittlerweile Mitglied in einer Frankfurter Anwaltskanzlei ist, hinterfragte die Pläne kritisch. Insbesondere die Verteilung der künftigen Schlüsselpositionen im Management sah er zu Ungunsten des hiesigen Finanzplatzes besetzt.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Ulrich Caspar schilderte anschließend seine Eindrücke, die er in den vergangenen Wochen mit französischen Kollegen gewonnen hatte und mit denen er die damalige Fusion der NYSE mit der Euronext besprochen habe. Nach einigen Jahren hätten nahezu alle französischen Topmanager das Unternehmen verlassen und dieses würde nun von der US-amerikanischen Seite dominiert.
Herr Gerstenschläger entgegnete, dass sich das hiesige Management genau diesen Fall sorgfältig angesehen und aus den strategischen Fehlern der Euronext gelernt hätte. Der größte sei dabei klar gewesen, dass man sein zuvor integriertes Geschäftsmodell zerstückelt und verkauft habe und sich allein auf den Kassamarkt konzentrieren wollte. Das wäre von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen.
Er betonte auf Nachfrage aus dem Publikum außerdem, dass die Frankfurter Wertpapierbörse in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben würde. Genauso wie derzeit beispielsweise die finnische oder irische Börse von der Deutschen Börse betrieben werde, hätten die lokalen Emittenten und Regulierungsbehörden die volle Souveränität. Gleiches würde auch in Frankfurt gelten, wenn es beispielsweise um die Einführung eines neuen Handelssystems gehen würde, dass eventuell das derzeit eingesetzte System XETRA ersetzen könne. Nur wenn der Börsenrat zustimme, könne dies geschehen.
Eines war aber für Herrn Gerstenschläger auch klar: Wenn man diese Fusionspläne jetzt nicht verwirklichen würde, würden sich früher oder später Wettbewerber aus dem asiatisch-pazifischen Raum in die hiesigen Märkte einkaufen, da diese die nötige Börsenkapitalisierung bereits jetzt hätten. Das Fusionsprojekt sei nicht frei von Risiken, aber Stillstand sei auch keine Option.
Schlagworte: Ulrich Caspar, Finanzplatz Frankfurt, Zukunftsforum, Deutsche Börse, Börsenfusion, Hubertus Väth, Frank Gerstenschläger, Börsen-Fusion