Zwischen Diesel und EU-Krise: Wirtschaftsminister Peter Altmaier unterstützt in Gießen den CDU-Wahlkampf. Unter anderem nimmt er Stellung zum neuen Fraktionsvorsitzenden in Berlin.

Nachmittags saß er noch in Berlin vor der Presse und erläuterte die Ergebnisse des Diesel-Gipfels, wenige Stunden später betritt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gemeinsam mit Ministerpräsident Volker Bouffier das Volksbank-Forum im Schiffenberger Tal. Wie Spitzenpolitiker ihre 18-Stunden-Arbeitstage und Entfernungen bewältigen, bleibt für Normalbürger ein ewiges Rätsel. »Wie schaffen die das bloß?«, fragt einer der rund 120 geladenen Gäste, die am Dienstagabend auf Einladung des CDU-Kreisverbands und der Wählerinitiative »Wir für Bouffier« an den runden Tischen Platz genommen haben, darunter auch etliche heimische Unternehmer, die nicht der Union angehören.
Bund statt Hessen im Fokus
Der gewichtige Saarländer ist der Stargast des Abends, aber die erste Stunde gehört dem Gastgeber, dem örtlichen Landtagsabgeordneten und natürlich dem »MP« und seinen Unterstützern. Volksbank-Chef Peter Hanker begrüßt »gute Freunde«, denen man das Forum gerne zur Verfügung stelle, weil sie sich »kundig« machen wollen.
CDU-Stadtverbandsvorsitzender Klaus Peter Möller, der bei der Landtagswahl am 28. Oktober das Direktmandat im Stadt-Wahlkreis Gießen I zurückerobern möchte, gibt einen kurzen Einblick in den Wahlkampf, der leider nicht von hessischen Themen bestimmt werde. »Wenn man mit den Leuten spricht, muss man die ersten zwölf Minuten erklären, was gerade in Berlin passiert«, sagt Möller. Danach trommelt Heinz Zielinski (»Wir für Bouffier«) für eine dritte Amtszeit des Gießeners in der Wiesbadener Staatskanzlei.
Schwarz-Grün "ohne Krach"
Bouffier selbst zeigt sich erfreut über das Lösungspaket zum Diesel-Problem, mahnt aber bei Altmaier eine Einbeziehung der Stadt Frankfurt an. »Stolz« sei er darauf, wie reibungslos Schwarze und Grüne in Hessen zusammenarbeiteten. »Wir regieren erfolgreich und ohne Krach«, sagt Bouffier.
Altmaier, der schon früh mit den Grünen als Koalitionspartner sympathisierte, wird die Entwicklung in Hessen gefallen. Seine Rede wird eher eine tour d’horizon durch die deutsche und internationale Politik und nicht der angekündigte Vortrag zum Brexit, den Altmaier als »größtes Drama der europäischen Politik« bezeichnet. Der Austritt der Briten aus der EU sei »überflüssig wie ein Kropf«, aber momentan würden leider alle Verhandlungslösungen von den Brexit-Befürwortern auf der Insel »diskreditiert«.
Lacher nach Licher
Wenn er denn komme, wünsche er sich, dass der Bankenstandort Frankfurt »unter den vielen negativen Folgen von den positiven profitiert«. Und natürlich darf in diesen turbulenten Zeiten ein Wort der Ermutigung und Beruhigung an die Parteibasis nicht fehlen. Der Wechsel an der Spitze der Bundestagsfraktion sei keine »Staatskrise«, wie es die Medien darstellten, sondern »der Normalfall der Demokratie«.
Nach fast zweieinhalb Stunden Zuhören und Reden hat Altmaier Feierabend – und Durst. Das 0,33-Liter-Glas »Licher« leert er noch auf der Bühne in einem Zug und wehrt Beifall ab: »War doch nicht viel drin.«
Gießener Allgemeine

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag