DE­MOS Drei Pro­tes­takt­io­nen am Ran­de der CDU-Ver­an­stal­tung / NPD sagt Kund­ge­bung ab / 250 Teil­neh­mer fol­gen Auf­ruf des DGB

GIES­SEN . Es droh­te ein tur­bu­len­ter Tag zu wer­den – am En­de blieb al­les fried­lich. Am Ran­de des Auf­tritts der Bun­des­kanz­le­rin fan­den drei Pro­tes­takt­io­nen statt: Von der AfD, vom DGB so­wie von der SDAJ. Die eben­falls zu­vor an­ge­kün­dig­te NPD-Kund­ge­bung fiel aus.
Ge­gen 15 Uhr ver­sam­mel­ten sich rund 50 AfD-An­hän­ger auf dem Lin­den­platz, wo sie ei­nen Stand auf­bau­ten. AfD-Di­rekt­kan­di­dat Uwe Schulz er­klär­te ge­gen­über dem An­zei­ger, dass ent­ge­gen der Dar­stel­lun­gen in ei­ni­gen Me­dien nie ei­ne Groß­kund­ge­bung sei­ner Par­tei ge­plant war. „Wir ha­ben nur ei­nen Stand an­ge­mel­det, sonst nichts.“ Auch ha­be man al­le Mit­glie­der und Un­ter­stüt­zer ge­be­ten, die CDU-Ver­an­stal­tung nicht mit Tril­ler­pfei­fen oder sons­ti­gen Ak­tio­nen zu stö­ren. „Es ist so: Wir wol­len auch nicht ge­stört wer­den, trotz­dem sieht man im­mer wie­der, wie un­se­re Leu­te nie­der­ge­pfif­fen und nie­der­ge­brüllt wer­den, wie zu­letzt Ale­xan­der Gau­land in Of­fen­bach.“ Man wol­le mit dem Stand Prä­senz zei­gen und ge­gen die Po­li­tik der Kanz­le­rin pro­tes­tie­ren. Ih­ren Pro­test ta­ten die AfD-Mit­glie­der mit Fly­ern und Schil­dern kund.
Un­ge­stört blieb die AfD-Ver­an­stal­tung aber nicht. Be­reits ei­ne hal­be Stun­de spä­ter ver­sam­mel­ten sich rund 100 De­mons­tran­ten auf dem Lin­den­platz, so­dass die Po­li­zei sich zwi­schen bei­de Grup­pen auf­stel­len muss­te. Die meis­ten von ih­nen zo­gen spä­ter wei­ter auf den Kir­chen­platz, wo die Ge­werk­schaf­ter ih­re Kund­ge­bung ab­hiel­ten. Der DGB hat­te kurz­fri­stig zu ei­ner Ge­gen­de­mo ge­gen die an­ge­kün­dig­te NPD-Ak­ti­on auf­ge­ru­fen. 250 Men­schen wa­ren die­sem Ruf ge­folgt.
„Nicht an ei­nen Tisch“
Die Kund­ge­bung des DGB ha­be nichts mit der Ver­an­stal­tung der Uni­on zu tun, ver­si­cher­te Re­gi­ons-Ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Kör­ner zu Be­ginn. „Der DGB hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­gen je­de De­mon­stra­ti­on der NPD ei­ne Ge­gen­de­mon­stra­ti­on an­ge­mel­det und an­ge­führt“, so Kör­ner, der zu­gleich auch Di­rekt­kan­di­dat der SPD im hei­mi­schen Wahl­kreis ist und als sol­cher den Pro­test der AfD kri­ti­sier­te: „Wer sich so deut­lich auf ei­ne Li­nie mit Na­zis stellt, mit dem setzt man sich nicht an ei­nen Tisch.“ Wor­te an die Teil­neh­mer rich­te­te auch Pfar­rer Her­mann Wil­hel­my von der Evan­ge­li­schen Flücht­lings­seel­sor­ge. Wil­hel­my er­in­ner­te an die ein­sti­ge Stadt­kir­che, die auf dem Kir­chen­platz stand und bei dem Bom­ben­an­griff im De­zem­ber 1944 zers­tört wur­de. „Als da­mals die Kir­chen zu­sam­men­ka­men, ha­ben sie sich eins ge­schwo­ren: Nie wie­der soll ein Na­zi auf die­sem Platz sei­ne Pa­ro­len von sich ge­ben dür­fen.“ Be­reits im Vor­feld hat­te auch der evan­ge­li­sche De­kan Frank-Ti­lo Be­cher sei­ne So­li­da­ri­tät mit den Ge­gen­de­mons­tran­ten be­kun­det.
Auf dem Kir­chen­platz fand au­ßer­dem ei­ne klein­ere Ak­ti­on der SDAJ, der Nach­wuchs­or­ga­ni­sa­ti­on der DKP, statt. „Wir sind hier we­gen der Wah­len, aber auch we­gen der NPD, AfD und Mer­kel“, sag­te ei­ne Sprech­erin der et­wa 20-köp­fi­gen Grup­pe. Haupt­säch­lich ge­he es der Grup­pe aber um Wahl­wer­bung.
Kurz vor 17 Uhr be­weg­te sich ein gro­ßer Teil der DGB-De­mo­teil­neh­mer in Rich­tung Ku­gel­brun­nen, wo sich zu die­sem Zeit­punkt Mit­glie­der der NPD auf­ge­hal­ten ha­ben sol­len. Wie ein Po­li­zist ge­gen­über dem An­zei­ger er­klär­te, sei­en je­doch über­haupt nur vier NPD-An­hän­ger an­ge­reist; die­se hät­ten dann die Kund­ge­bung ab­ge­sagt. Vie­le Teil­neh­mer der Ge­gen­de­mon­stra­ti­on be­weg­ten sich schließ­lich zu­rück an den Lin­den­platz, um dort zu­min­dest ih­rem Un­mut ge­gen­über der AfD Luft zu ma­chen. Zu di­rek­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen kam es je­doch nicht.
Pfif­fe und Ru­fe
Viel von den Ge­scheh­nis­sen am Ran­de der CDU-Ver­an­stal­tung dürf­te die Kanz­le­rin gar nicht mit­be­kom­men ha­ben. Le­dig­lich rund 40 Pro­tes­tie­rer der rech­ten Grup­pe „Marsch 2017“ ver­such­ten, sich an den Ab­sper­run­gen am Brand­platz mit Pfif­fen und Ru­fen Ge­hör zu ver­schaf­fen. Meh­re­re Per­so­nen aus die­ser Grup­pe wur­den von Po­li­zis­ten über­prüft. Ei­ne Per­son wur­de fest­ge­nom­men, die den Hit­ler-Gruß ge­zeigt ha­ben soll. Wie ein Po­li­zist sag­te, sei der Fest­ge­nom­me­ne in Gie­ßen in der rech­ten Sze­ne be­kannt. An­sons­ten hat es laut Po­li­zei kei­ne nen­nens­wer­ten Vor­komm­nis­se ge­ge­ben.

Gießener Anzeiger
Fotos: Erik Przybilla

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