Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes, besucht in Lich den Landessieger im Ausbildungsberuf zum Anlagenmechaniker SHK

Noch vor wenigen Tagen kämpfte er in China um den ersten Platz. Erfolgreich. Jetzt bereitet sich Dominik Philipp auf seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Russland vor – die „WorldSkills“, die „WM der Berufe“. Hier geht es nicht in erster Linie um sportliche Leistungen, sondern eher um Ausdauer, Fachwissen und Präzision. 1350 junge Fachkräfte aus über 60 Ländern treten in 56 Disziplinen gegeneinander an. Dominik Philipp gehört dazu. Der ausgebildete Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) arbeitet bei der Firma Walz Gebäudetechnik in Lich. Kaum, dass der 21-Jährige seine Ausbildung beendet hatte, übertrug ihm das Licher Unternehmen auch schon die Zuständigkeit der Azubis im Heizung- und Sanitär-Bereich.
Beeindruckende Leistung. Das dachte sich auch der Chef des Bundeskanzleramtes, Dr. Helge Braun (CDU), und besuchte den jungen Mann an seiner Arbeitsstelle. „Jemand, der so weit gekommen ist, den muss man sich mal live ansehen“, meinte er.
Schon zu Beginn seiner Ausbildung habe sich abgezeichnet, dass Dominik Philipp überdurchschnittlich gut ist. „Viel besser als alle anderen“, sagte Geschäftsführer Hans-Heinrich Walz. Zumindest, was den praktischen Teil anging. Das mag vielleicht daran liegen, dass der 21-Jährige schon in jungen Jahren in den Ein-Mann-Betrieb seines Vaters involviert war. Die praktische Arbeit, das Handwerk, das lag ihm. Und die Theorie? Die Berufsschule habe er immer wie Urlaub empfunden, antwortet der 21-Jährige mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Dass er sein Handwerk versteht, zeigt sein Sieg beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2018 in Hessen.
Dabei ist Dominik Philipp auf den Baustellen eher weniger anzutreffen. Seine Ausbildung an sich verlief aufgrund seiner Fähigkeiten etwas anders als üblich. So bekam er in den ersten eineinhalb Jahren die wichtigsten Grundlagen des Berufs vermittelt. Danach setzte ihn sein Chef schon im Kundendienstbereich ein. „Aufgaben, mit denen die jungen Leute normalerweise erst nach der Ausbildung betreut werden“, erzählte Walz. Wer in dem Bereich arbeite, müsse neben Wissen und technischem Verständnis auch über sehr gute soziale Kompetenzen verfügen. Gesellen aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr reißen sich nicht darum. Im Gegenteil. Ihnen stünde dann immer „ein bisschen Angstschweiß“ auf der Stirn. „Da hat Dominik schon vielen etwas voraus“, so Marcel Jox, ebenfalls Geschäftsführer von Walz Gebäudetechnik.
Kaum hatte Philipp seine Ausbildung als Bester im Landkreis Gießen bestanden, nahm er auf Einladung am hessenweiten Vergleich teil. Der 21-Jährige wurde Landessieger. Weiter ging es nach Hamburg zum Bundesleistungswettbewerb, wo er auf dem vierten Platz landete. Sein Bundestrainer signalisierte: Weitermachen.
Die Kollegen freuen sich über den Erfolg von Dominik Philipp. Auch wenn er wegen der Wettbewerbe öfter mal in ferne Länder reist. Neid komme eher weniger auf. Grundsätzlich fühlten sich die Kollegen durch seine Leistung auch wertgeschätzt, so Michael Baccichet, Abteilungsleiter Heizung/Sanitär. Allein die Tatsache, dass das Unternehmen so einen Mitarbeiter hervorgebracht habe, sei schon eine starke Leistung. Baccichet sieht die Erfolge Philipps als Ansporn für die anderen Kollegen. Das zeigten auch die vielen positiven Resonanzen auf Facebook.
Am 19. August ist es soweit: Dann reist der 21-Jährige mit der deutschen Nationalmannschaft nach Kasan. Seit Wochen bereitet er sich darauf vor. Seine Aufgabe: Ein Bad bauen. Quasi aus dem Nichts. Einzig eine Grundwand steht. Gestell aufbauen, Leitungen rein, anschließen. Dabei kommt es auf höchste Maßgenauigkeit an. Und auf Zeit. Fehler sollten nicht passieren, denn damit würden wertvolle Minuten verloren gehen.
Wie viel Zeit hat man für so einen Aufbau? In Russland sind es an drei Tagen jeweils sechs Stunden. Philipp hält kurz inne und sagt dann: „So ein Einzelskill ist ganz schön hart. Jeder kämpft für sich selbst.“
Helge Braun will es ganz genau wissen und fragt, wie lange ein Anlagenmechaniker bräuchte, um unter normalen Bedingungen so ein Bad zu bauen? Philipp überlegt kurz. So pauschal könne man das nicht sagen. Im Normalfall drei bis vier Tage. So ein Wettkampf ist etwas anderes. Deswegen könne man die Arbeit in der Firma auch nicht mit dem Training vergleichen. Bei der Weltmeisterschaft ist Präzision gefragt. Jeder Millimeter bringt wichtige Punkte. In der Disziplin der Anlagenmechaniker SHK nehmen 31 Länder teil. Die Chinesen beispielsweise trainieren zwei Jahre nur auf diese Weltmeisterschaft hin.
Wie sieht es bei Philipp aus? Wie gut ist er auf drei Tage harten Wettkampf, Höchstleistung für Körper und Geist, angespannte Muskeln und Adrenalin pur bis zur letzten Minute vorbereitet? Sein Chef schmunzelt: „Er befindet sich sozusagen im letzten Feinschliff. Bei der Formel 1 würde man sagen, das Setup wird gerade optimiert.“ Braun lacht und drückt Philipp für die Weltmeisterschaft in Russland die Daumen.

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