Das Land Hessen will im früheren Erstaufnahmelager einen Erinnerungsort schaffen. Das Konzept ist noch offen.

Ein denkwürdiger Tag verdient eine denkwürdige Nachricht. Genau die hatte Ministerpräsident Volker Bouffier bei der Feierstunde des CDU-Kreisverbands zum Tag der Deutschen Einheit im Bürgerhaus Kleinlinden mitgebracht. Aus der gerade geschlossenen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Meisenbornweg wolle die Landesregierung eine Gedenkstätte machen, kündigte er am Mittwoch an: "Wir haben hier einen historischen Ort. Es wäre geschichtsvergessen, wenn wir den einfach in ein Bürogebäude umfunktionieren würden." Laut Bouffier ist das zwar noch »mit niemandem abgestimmt«, auch nicht mit den anderen Verwaltungsebenen. Aber: »Das Land Hessen wird das machen«, sagte der Regierungschef, der dafür beim Bund und bei der Stadt um Unterstützung werben möchte. Er selbst verfolge diesen Plan, damit »auch in zehn und in 20 Jahren dieser Leuchtpfahl der Freiheit nicht verblasst ist«.

RP nutzt Liegenschaft weiter

Genutzt wird die landeseigene Liegenschaft künftig weiterhin vom Gießener Regierungspräsidium, zudem ist das Bundesamt für Migration und Flüchlinge bereits im September an den Meisenbornweg zurückgekehr. Was die Einrichtung einer Gedenkstätte betrifft, befindet sich das RP noch in der frühen Phase der »Ideenfindung«, sagte Pressesprecher André Rieb. Ein Konzept gebe es noch nicht..
Eingebettet hatte Bouffier seine Ankündigung in eine rund 30-minütige Rede. Darin betonte er, dass ein Nationalfeiertag wichtig sei, »weil ein Volk große Linien braucht, um sich selbst zu vergewissern«. Die Deutschen könnten aus ihrem zudem einiges lernen. So sei »der Prozess der Deutschen Einheit ein schönes Beispiel, wie wir solche Herausforderungen angehen müssen«, meinte Bouffier mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage. Damals wie heute sei entscheidend, »Mut zu haben«.

Chemnitz kein Beweis für gesellschaftliche Spaltung

Im ersten Teil der Feierstunde lieferte Kanzleramtsminister Helge Braun, der Vorsitzende des Gießener CDU-Kreisverbands, eine Bestandsaufnahme 28 Jahre nach der Wiedervereinigung. »Blühende Landschaften« seien »ein ganzes Stück weit geschafft« und die Frage nach gleichwertigen Lebensverhältnissen keine Ost-West-Debatte mehr. Vielmehr gebe es bundesweit ökonomisch stärkere und schwächere Regionen. Von Chemnitz auf eine »gesellschaftliche Spaltung« zu schließen, sei unzulässig.
Gießener Allgemeine

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