Seit 25 Jahren macht Klaus Peter Möller Politik. Er hat alle Höhen und Tiefen erlebt. Der Vorsitzende der Gießener CDU weiß daher: Wahlkämpfe sind planbar, aber nicht berechenbar.

Er würde gerne über Hessen reden, über stabile politische Verhältnisse, den robusten Arbeitsmarkt, das viele Geld, das die Landesregierung in die beiden Gießener Hochschulen steckt, seine Kritik an den schulpolitischen Vorstellungen der SPD oder über seinen Einsatz fürs dritte Gleis zwischen Frankfurt und Mittelhessen und so weiter. Aber so fangen die Gespräche, die Klaus Peter Möller seit Wochen an Haustüren oder am Wahlkampfstand führt, nur selten an.

»Zuerst muss ich Berlin erklären«, berichtet der CDU-Landtagsabgeordnete. Oder wie die CSU tickt. Das Treffen mit dem Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Gießener CDU findet am Freitag vor der Bayern-Wahl statt. Endlich findet sie statt, muss man wohl hinzufügen. »Dann sind noch zwei Wochen Zeit. Da sollte sich der Pulverdampf verziehen und wir können unsere Botschaften für Hessen in den Mittelpunkt rücken«, hofft der 52-Jährige.

Als Landtags-Kandidat und Parteichef hat Möller seit 2001 schon acht Wahlkämpfe geführt. Er weiß wie das ist, wenn Widrigkeiten von außen die eigene Kampagne verhageln. Kurz vor der Kommunalwahl 2011 explodierte in Japan das Atomkraftwerk Fukushima, die Grünen gingen durch die Decke und in Gießen eine Koalition mit der SPD ein. Die CDU flog – mit herben Verlusten – nach zehn Jahren aus der Regierung.

Gefühlt seien es so um die zehn Minuten, die er beim Haustürwahlkampf damit verbringe, über den Knatsch in der Berliner Groko zu reden. »Man braucht Geduld, dann kommt man auch zu den hessischen und regionalen Themen«, erzählt der gelernte Zahntechnikermeister. So oder so sei Wahlkampf eine »hoch anstrengende Sache«.

Die Kinderbetreuung, die Schule, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel und die jeweilige Verkehrssituation seien Themen, die von den Leuten häufig angesprochen würden, Wohnungsnot, Migration oder Kriminalität würden dagegen eher selten thematisiert. Viel ist der Gießener in den Orten im Umland unterwegs, die zu seinem Wahlkreis gehören. »Man trifft die Menschen dort einfacher an als zum Beispiel in einer Hochhaussiedlung in Gießen.«
Vor zweieinhalb Jahren ist Möller wieder in den Landtag nachgerückt und erbte die Themen seines Vorgängers wie Wirtschaft und Datenschutz. Auch die Schulpolitik gehört dazu, die der Abgeordnete als »einziger Nichtlehrer« aus der Elternperspektive mit seinen Landtags-Kollegen diskutiert.

Was seine persönliche Situation und Zukunft betrifft, seien er und seine Familie »besser vorbereitet« als vor fünf Jahren, als Möller als Landtagsabgeordneter ins Bett ging und ohne Mandat erwachte, weil die FDP in der Nacht doch noch über die Fünf-Prozent-Hürde gesprungen war und sein Listenplatz nicht mehr reichte. Den hat er zwar deutlich verbessert, aber da die allermeisten Wahlkreise wohl von Christdemokraten gewonnen werden, wird die Liste »kaum oder gar nicht ziehen«, glaubt Möller. Sein Ziel sei es natürlich, den Wahlkreis Gießen I, den er 2003 bei seiner ersten Kandidatur einmal gewonnen hat, ein zweites Mal zu holen. »Der Wahlkreis ist vom Zuschnitt her für uns als CDU nicht einfach, aber ich rechne mir Chancen aus«, sagt Möller.

Fast die Hälfte seiner Lebenszeit hat Möller Politik gemacht, seit 1999 in Führungspositionen. Am Anfang hieß er in der Presse »Klaus Peter Möller II«, weil es den namensgleichen Landtagspräsidenten aus Gießen gab. Aber das ist lange her. Heute ist Möller nach Ministerpräsident Bouffier und Kanzleramtschef Braun das bekannteste Gesicht der heimischen Union. 2006 schmiedete er in Gießen die erste Jamaika-Koalition in einer größeren hessischen Stadt. Daher fremdelt er nicht mit Schwarz-Grün. Im Gegenteil: »Etwas mehr Hessen würde dem Bund gut tun«.

Gießener Allgemeine

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