Neu gewählter hauptamtlicher Stadtrat Peter Neidel spricht zu CDU-Parteifreunden über Wiedervereinigung

 

GIESSEN. Als 18-jähriger Herderschüler kam Peter Neidel bei seinem Besuch im geteilten Berlin die Mauer wie „das Ende der Welt“ vor. Die Wiedervereinigung und auch die juristische Diskussion hatte der am Donnerstag zum hauptamtlichen Stadtrat gewählte Heuchelheimer als Jura-Student der Justus-Liebig-Universität in Gießen mitverfolgt.

Als Festredner der Feierstunde des CDU-Kreisverbands am Gedenkstein zum „Tag der Deutschen Einheit“ vor dem Bürgerhaus Kleinlinden spannte Neidel einen Bogen aus eigenen Empfindungen und Berührungen aus Zeiten der Teilung über die Wege zur Wiedervereinigung bis hin zur heutigen Aufgabe. „Noch vor wenigen Wochen hätte ich nicht zu träumen gewagt, hier als frisch gewählter Stadtrat zu Ihnen zu sprechen. Es ist mir eine Ehre, dieses Amt für die Stadt und die CDU ausüben zu können“, so der Vorsitzende Richter und Leiter einer Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts in seiner Begrüßung.

Eine Generation habe nichts von der deutschen Teilung, dem Kalten Krieg und der Wiedervereinigung mitbekommen. Diesen gut ausgebildeten jungen Menschen müsse bewusst gemacht werden, wie Macht und Unterdrückung waren. „Die Mauer ist weg, die Grenzanlagen sind lange abgebaut. Freiheit ist selbstverständlich hier bei uns in Deutschland.“ Neidel nannte es wichtig sich immer wieder bewusst zu machen und den jungen Menschen zu erzählen, wie nah, wie konzentriert hier in Deutschland Recht und Unrecht, Freiheit und Unterdrückung, Macht und Ohnmacht noch bis vor Kurzem waren. „Bei der Wiedervereinigung ging es um Freiheit, Demokratie, Menschenwürde, Rechtssicherheit. Das sind Werte, die zu unserer Identität als Staat, damals wie heute gehören. Diese Werte sind kostbare, aber auch verletzliche Güter. Wir müssen sie immer wieder verteidigen und uns ins Bewusstsein rufen“, so Neidel. Zu Beginn hatte der Kreisvorsitzende und Staatsminister bei der Bundeskanzlerin Prof. Helge Braun vor den rund 70 Zuhörern nicht nur auf die Tradition der Veranstaltung an diesem Ort erinnert, sondern auch von einem „Tag der Freude und des Gedenkens“ gesprochen. Dabei erinnerte er an die zahlreichen Menschen, die an der innerdeutschen Grenze zu Tode gekommen sind. „Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich auch das außenpolitische Gefüge unseres Landes verändert. Die USA nehmen nicht mehr die Rolle als Weltmacht und Ordnungsmacht in der Welt ein, egal wer die US-Wahlen gewinnt, ob Clinton oder Trump, für diese liegt Afrika vor den Türen Europas – und deshalb kommen auch neue Aufgaben auf uns zu“, mahnte Braun mit dem Hinweis, dass die Rolle Deutschlands immer schwerer wiege. Zuversichtlich zeigte er sich, die neue deutsche Rolle in der Außenpolitik zu finden, gehe es doch darum, mit allen Nachbarn Abkommen zu schließen, um für die Menschen in ihrer Heimat Bleibeperspektiven zu schaffen. Deshalb sei der „Tag der Deutschen Einheit“ nicht nur ein Tag an dem „das Unrecht in der Mitte unseres Vaterlandes beendet und Deutschland befreit“ wurde, sondern Deutschland habe auch die Verantwortung aus der Vereinigung zu tragen.

 (Quelle: Gießener Anzeiger)

 

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