BER­LIN/MÜN­CHEN (mar/qua). Die Uni­on ist nach den mas­si­ven Stim­men­ver­lus­ten bei der Bun­des­tags­wahl in ei­ne Kri­se ge­ra­ten. Be­vor Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) Son­die­rungs­ge­sprä­che mit der FDP und den Grü­nen über ei­ne Ja­mai­ka-Koa­li­ti­on be­ginnt, ver­langt die CSU von Mer­kel ei­nen Rechts­ruck der Uni­on. Es zeich­nen sich Kon­flik­te zwi­schen den Schwes­ter­par­tei­en ab, wie die zur rechts­po­pu­lis­ti­schen AfD ab­ge­wan­der­ten Wäh­ler zu­rück­ge­won­nen wer­den sol­len. Der uni­ons­in­ter­ne Kon­flik­te könn­te die an­ste­hen­den Ge­sprä­che mit FDP und Grü­nen er­schwe­ren, denn vor al­lem die Grü­nen wür­den ei­nen Rechts­ruck in der Flücht­lings- oder So­zi­al­po­li­tik nicht mit­ma­chen.

Für ih­re Ab­sa­ge an Koa­li­ti­ons­ge­sprä­che mit der Uni­on er­hielt die SPD am Mon­tag mas­si­ve Kri­tik von al­len Sei­ten. FDP-Vi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki nann­te die SPD „ab­grund­tief er­bärm­lich“. Mer­kel for­der­te die SPD auf, ih­re Ab­sa­ge an Koa­li­ti­ons­ge­sprä­che zu über­den­ken. „Wich­tig ist ei­ne sta­bi­le Re­gie­rung. Ich ha­be die Wor­te der SPD ver­nom­men. Trotz­dem soll­te man mit­ein­an­der spre­chen“, sag­te sie.

SPD-Chef Mar­tin Schulz be­kräf­tig­te je­doch, die SPD wer­de in kei­ne neue Gro­ße Koa­li­ti­on ein­tre­ten. Auf die Fra­ge, ob die SPD doch noch mit der Uni­on re­den wür­de, falls ei­ne Ja­mai­ka-Koa­li­ti­on schei­tern wür­de, er­klär­te er: „Ja­mai­ka wird nicht schei­tern.“ Er schlug Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) als neue Frak­ti­ons­che­fin vor. In der SPD wur­de das vom kon­ser­va­ti­ven See­hei­mer Kreis kri­ti­siert. Des­sen Spre­cher Jo­han­nes Kahrs wand­te sich ge­gen vor­schnel­le Ent­schei­dun­gen. Nah­les ist ei­ne Ver­tre­te­rin der SPD-Lin­ken.

Kanz­le­rin Mer­kel be­kräf­tig­te am Mon­tag ih­ren Re­gie­rungs­an­spruch. Sie kün­dig­te an, zu­erst mit der CSU und dann mit FDP und Grü­nen über ei­ne Re­gie­rungs­bil­dung re­den zu wol­len. Er­ste Son­die­rungs­ge­sprä­che wer­den frü­hes­tens in der kom­men­den Wo­che er­war­tet. Spe­ku­la­tio­nen über mög­li­che Neu­wah­len er­teil­te Mer­kel ei­ne kla­re Ab­sa­ge. „Je­des Spe­ku­lie­ren auf ir­gend­ei­ne Neu­wahl ist die Mis­sach­tung des Wäh­ler­vo­tums“, be­ton­te sie. FDP und Grü­ne er­klär­ten, sie stün­den für Ge­sprä­che be­reit. Grü­nen-Spit­zen­kan­di­da­tin Ka­trin Gö­ring-Eckardt sag­te, sie wol­le „im Re­gie­rungs­fall auf je­den Fall ei­ne Rol­le spie­len“.

ER­GEB­NIS

. Nach dem vor­läu­fi­gen En­der­geb­nis fiel die Uni­on auf ihr schwäch­stes Er­geb­nis seit 1949: 33 Pro­zent (2013: 41,5). Die SPD stürz­te auf ein Re­kord­tief von 20,5 Pro­zent (25,7). Die AfD legt mit 12,6 Pro­zent auf knapp das Drei­fa­che zu (4,7). Die FDP kehrt mit 10,7 Pro­zent in den Bun­des­tag zu­rück (4,8). Die Lin­ken ver­bu­chen 9,2 Pro­zent (8,6), die Grü­nen 8,9 (8,4).

Gießener Anzeiger

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