Mi­nis­ter­prä­si­dent aus Nord­rhein-West­fa­len un­ter­stützt Vol­ker Bouf­fier bei Wahl­kampf­auf­tritt in Gro­ßen-Bus­eck

„Ich freue mich, hier in Gie­ßen zu sein, Vol­ker Bouf­fier un­ter­stüt­zen zu kön­nen und zu zei­gen, wie man von au­ßer­halb auf Hes­sen schaut.“ Die­ser Satz ent­hält ei­nen geo­gra­fi­schen Faux Pas, denn Ar­min La­schet (CDU), Mi­nis­ter­prä­si­dent aus Nord­rhein-West­fa­len, sprach am Mitt­woch­abend vor 150 Zu­hö­rern im Kul­tur­zen­trum in Gro­ßen-Bus­eck. Doch die­se ver­zie­hen ihm das, denn der 57-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Aa­che­ner ver­stand es mit sei­ner ver­schmitz­ten Art, den Fin­ger auch in die Wun­den der ei­ge­nen Po­li­tik zu le­gen.

Vor al­lem der Tat­sa­che, dass es Bouf­fier ge­lun­gen sei, CDU und Grü­ne „zu se­riö­ser Ar­beit zu füh­ren“, zoll­te La­schet Re­spekt. „Wenn die schwarz-ro­te Re­gie­rung in Ber­lin ein­mal so ar­bei­ten wür­de, wie die schwarz-grü­ne Re­gie­rung hier, dann hät­te Deutsch­land ….“ – die letz­ten Wor­te gin­gen im Bei­fall der Zu­hö­rer un­ter.

Hes­sen sei auch bei der Kri­mi­na­li­täts­auf­klä­rungs­quo­te vor­bild­lich. Klar kön­ne man das Straf­recht ver­än­dern, doch das in­te­res­sie­re die Tä­ter nicht. „Ent­schei­dend sei die Auf­klä­rungs­quo­te. Und die­se liegt in Hes­sen bei 60 bis 70 Pro­zent – bei uns in NRW bei 40 bis 50 Pro­zent. Und die­sen Wert von Hes­sen wol­len wir er­rei­chen“, so La­schet.

Sein Lo­blied setz­te er auch bei Fel­dern wie Bil­dung, In­klu­si­on und Stär­kung des länd­li­chen Raums fort, um sich dann der Ber­li­ner Po­li­tik der ver­gan­ge­nen Mo­na­te zu­zu­wen­den. „Ich glau­be, ei­ne Ja­mai­ka-Koa­li­ti­on hät­te die­sem Land gut­ge­tan“, war er sich si­cher. Al­ler­dings sei der ak­tu­el­le Koa­li­ti­ons­ver­trag der Bun­des­re­gie­rung bes­ser als der vor vier Jah­ren. „Doch wir ha­ben uns zers­trit­ten. Nach der Wahl vom Sonn­tag muss die Re­gie­rung in Ber­lin so ar­bei­ten wie die Re­gie­rung hier in Hes­sen: An den The­men der Men­schen ar­bei­ten, hart ver­han­deln, aber hin­ter ver­schloss­enen Tü­ren, ein Er­geb­nis vor­tra­gen und sich dem näch­sten The­ma an­neh­men.“

Was al­le nicht wol­len, ha­be sich et­wa am Wo­che­nen­de in Lon­don ge­zeigt, als jun­ge Men­schen auf die Stra­ße gin­gen, um ge­gen den Bre­xit zu de­mon­strie­ren. Bouf­fier hat­te dies zu­vor in sei­ner Re­de eben­falls auf­ge­grif­fen. „Ich will kei­nen am 29. er­le­ben, der sagt: ,Das ha­be ich nicht ge­wusst‘“. Am Sonn­tag ge­he es um ei­ne Re­gie­rung mit ihm an der Spit­ze oder ein Links­bünd­nis. Al­le an­de­ren Fra­gen sei­en ne­ben­säch­lich. „Wer fünf Mi­nu­ten sei­nen Frust ab­baut, ris­kiert fünf Jah­re ei­ne lin­ke Re­gie­rung.“ Die Al­ter­na­ti­ve kön­ne nicht sein, dass Hes­sen Op­fer ei­ner un­zu­frie­de­nen Stim­mung wer­de. Ei­ne lin­ke Mehr­heit be­deu­te den Ab­stieg des Lan­des, ob nun bei Ar­beits­plät­zen, Flug­ha­fen, Bil­dungs­po­li­tik und „Steu­er­or­gie“, so Bouf­fier.

So in Fahrt be­ton­te er zum Die­sel­the­ma, bei dem kaum ei­ner noch durch­bli­cke: „Wir ha­ben drei kla­re Zie­le. Er­stens die Gren­zwer­te ein­hal­ten, kei­ne Fahr­ver­bo­te und wir wol­len, dass die In­dus­trie das al­les be­zahlt – und das be­kom­men wir auch hin. Wir tun al­les, dass es nicht zu Fahr­ver­bo­ten kommt“, ver­sprach er un­ter lang an­hal­ten­dem Bei­fall.

Zu Be­ginn hat­te Land­tags­ab­geord­ne­ter Klaus Pe­ter Möl­ler Bouf­fiers Re­gie­rung ge­lobt, die zei­ge, wie man ei­gent­lich in Ber­lin re­gie­ren müss­te.

Gießener Anzeiger

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