Grünberg(). "Ärztemangel im ländlichen Raum" - das war das Thema einer sehr gut besuchten Podiumsveranstaltung des CDU Kreisverbandes Gießen in Grünberg. Unter der Moderation von Dr. Gerhard Noeske diskutierten Vertreter von Ärzten, Krankenkassen und Politik über den Ärzteschwund in den ländlichen Regionen.

 

Schnell wurde deutlich, auch durch Beispiele aus dem Publikum, dass etwa im Vogelsbergkreis fehlende Hausärzte bereits heute ein erhebliches Problem darstellen. Am Beispiel Grünbergs erläuterte die Vorsitzende der CDU Grünberg, Birgit Otto, dass in den Mittelstädten des Landkreises Gießen die hausärztliche Versorgung derzeit meist noch gegeben ist, Fachärztemangel gebe es jedoch an vielen Orten.

 

Allgemeinmediziner Dr. Joachim Magnus erklärte, dass die Ursache des Ärzteschwundes neben fehlenden finanziellen Anreizen auch in einer zu hohen Arbeitsbelastung im ärztlichen Not- und Sonntagsdienst, fehlender Vertretungsmöglichkeiten und der sogenannten Residenzpflicht am Praxisort liege. Junge Medizinerfamilien forderten zu Recht ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familie ein, anders als dies früher der Fall war.

 

Dr. Helge Braun, der als CDU-Vorsitzender, Arzt und Bundestagsabgeordneter das Problem von verschiedenen Seiten her kennt, machte deutlich, dass die Bundesregierung genau diese Probleme aufgegriffen habe. Vor kurzem sei das "Versorgungsstrukturgesetz" im Bundestag beschlossen worden, welches das Problem lösen solle. Landärzte erhalten danach finanzielle Anreize, die Residenzpflicht werde aufgehoben und die Vertretungsmöglichkeiten ausgeweitet. Darüber hinaus würden die Länder in die Lage versetzt, die Verteilung der Ärzte in der Bedarfsplanung zielgerichteter zu steuern. Der Missstand, dass man keinen politischen Einfluss darauf habe, ob sich ein Arzt im Landkreis Gießen in Laubach oder im Oberzentrum Gießen ansiedele, werde beseitigt. "Mit dem Versorgungsstrukturgesetz ergeben sich ganz neue Chancen für mehr Ärzte auf dem Land!", so Braun.

 

Die Tücken einer bedarfsgerechten Planung machten Carsten Lotz von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer Krankenkasse deutlich. Es sei eine schwierige, aber lohnende Aufgabe, auf der Basis des neuen Gesetzes eine genauere regionale Planung der Kassenarztsitze zu planen. Dabei müssten neben Einwohnerzahlen in den Regionen auch die Altersstruktur und Pendlerströme berücksichtigt werden, da Berufstätige einen Arzt oftmals am Arbeitsort und nicht am Wohnort aufsuchen. Die Mobilitätsprobleme der älteren und chronisch-erkrankten Bevölkerung müssten dabei aber besonders gewürdigt werden. Die Kommunen seien aufgefordert, durch regionale Verbünde diese Strukturplanung mitzugestalten.

 

Veranstaltungsleiter Dr. Gerhard Noeske, der selbst niedergelassener Internist in Gießen ist, resümierte am Ende der Veranstaltung, dass es in Zukunft wohl unentbehrlich werde, mehr Geld für die medizinische Versorgung bereitzustellen. Der Bund habe mit dem neuen Versorgungsgesetz einen wesentlichen Schritt für die Verbesserung der Situation auf dem Land eingeleitet. Nun sei es die Aufgabe auf Landesebene, eine sachgerechte Bedarfsplanung daraus zu entwickeln. Darüber hinaus seien die Kommunen aufgefordert, selbst Kooperationsstrukturen aufzubauen, teilweise bei fehlender Wirtschaftlichkeit von Investitionen Praxisansiedlungen zu unterstützen und ggf. sogar als Träger aufzutreten, was nach dem Versorgungsstrukturgesetz möglich werden soll. "Die Verbesserung der Ärzteversorgung im Ländlichen Raum ist konzeptionell angestoßen - jetzt müssen alle politischen Ebenen und die Akteure des Gesundheitswesens gemeinsam die konkrete Umsetzung vorantreiben.", so Noeske abschließend.

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