GIES­SEN . „Wir sind sehr dank­bar, dass es Men­schen gibt, die zu eh­ren­amt­li­chem En­ga­ge­ment be­reit sind“, be­tont Ag­nes Bend­lin. Ge­ra­de hat sie das Spen­de­ner­geb­nis der „Tour der Hoff­nung“ ver­kün­den kön­nen – und das bricht al­le Re­kor­de. 2,31 Mil­lio­nen Eu­ro ha­ben die Rad­ler in ih­ren grü­nen Tri­kots mit­samt ih­ren Un­ter­stüt­zern er­stram­pelt. Das Geld kommt, wie in den Jah­ren zu­vor, krebs­kran­ken Kin­dern und ih­ren Fa­mi­li­en zu­gu­te.
Die Tour, die erst­mals 1983, da­mals noch als „Tour Pei­per“, or­ga­ni­siert wur­de, ist für die Teil­neh­mer ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit. „Man­che hat­ten selbst Krebs­er­kran­kun­gen in der Fa­mi­lie und hö­ren nicht auf, sich zu en­ga­gie­ren. Da­vor kann man nur den Hut zie­hen“, fin­det Bend­lin. Nach der 280 Ki­lo­me­ter lan­gen Stre­cke gab es zum Ab­schluss für Rad­ler und Hel­fer ein ge­mein­sa­mes Es­sen in der Kan­ti­ne der Stadt­wer­ke Gie­ßen. Auch Tho­mas Wag­ner ist da­bei. Be­reits seit über 20 Jah­ren fährt er mit: „Als ich krebs­kran­ke Kin­der und ih­re ver­zwei­fel­ten El­tern ge­se­hen ha­be, hat mich das an­ge­trie­ben“, er­zählt er im Ge­spräch mit dem An­zei­ger. Zwar sei er „noch nie so nass ge­wor­den“ wie dies­mal – denn zwi­schen­durch hat­te es hef­tig ge­reg­net –, doch ne­ben dem Spen­den­sam­meln ha­be die Tour auch schö­ne Fahr­stre­cken für die Rad­ler ge­bo­ten. Nach dem Pro­log in und um Gie­ßen ging es für die Teil­neh­mer mit den Au­tos wei­ter in Rich­tung Ber­lin und Brand­en­burg. Dort konn­te auch das schlech­te Wet­ter die Stim­mung nicht trü­ben. „Wir ha­ben kaum noch et­was ge­se­hen und bei un­se­rem Emp­fang ist bei­na­he das Zelt weg­ge­flo­gen“, er­in­nert sich Bend­lin. Für gu­te Lau­ne sorg­ten na­tür­lich auch die zahl­rei­chen Spen­den, die die Fah­rer auf ih­rem Weg ent­ge­gen­neh­men konn­ten. Die größ­te Ein­zel­spen­de mit rund 600 000 Eu­ro wur­de am Frei­tag in der Lan­des­ver­tre­tung von Rhein­land-Pfalz über­reicht. Das Geld war zu­vor bei der Vor-Tour ein­ge­fah­ren wor­den.
Ein­dring­li­che Tref­fen
Eben­falls am Frei­tag mach­ten die Rad­ler bei Staats­mi­nis­ter Prof. Hel­ge Braun (CDU) im Kanz­ler­amt Halt. Doch ei­gent­li­ches Ziel an die­sem Tag war die Nach­sor­ge­kli­nik in Ber­nau. „Dort kann man se­hen, wie wich­tig die Nach­sor­ge für die gan­ze Fa­mi­lie ist“, ver­deut­licht Bend­lin. Denn nicht nur die klei­nen Pa­ti­en­ten lei­den un­ter der Krank­heit. Auch für El­tern und Ge­schwis­ter sei die Si­tua­ti­on schwie­rig, das ge­ra­te je­doch oft in den Hin­ter­grund. „Wenn man Kin­der sieht, die die Krank­heit hat­ten und jetzt auf dem Weg der Bes­se­rung sind, ist das ei­ne gro­ße Freu­de“, sagt Or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­ter Ge­rhard Be­cker. Über­haupt sei­en die Tref­fen mit den Mäd­chen und Jun­gen sehr ein­dring­lich: „Beim Tref­fen mit Kin­dern, die sich in Be­hand­lung be­fin­den, wird man rich­tig ge­er­det.“
Un­ter den pro­mi­nen­ten För­de­rern wa­ren un­ter an­de­rem der ehe­ma­li­ge Pro­fi­bo­xer Hen­ry Mas­ke und Fern­seh­mo­de­ra­tor Jo­han­nes B. Ker­ner. Die­ser ha­be auch be­reits an­ge­kün­digt, die Tour wei­ter­hin un­ter­stüt­zen zu wol­len, ver­rät Ag­nes Bend­lin. Nach­dem es im ver­gan­ge­nen Jahr zu ei­nem Un­fall mit Kno­chen­brü­chen ge­kom­men war, blie­ben die über 200 Spen­den­samm­ler nun von grö­ße­ren Bles­su­ren ver­schont. Kurz vor Schluss sei je­doch ein Teil­neh­mer ge­stürzt und ha­be sich am Kopf ver­letzt. Helm sei Dank sei es bei ei­ner Platz­wun­de ge­blie­ben. Be­ckers Bi­lanz lau­tet da­her: „Das war ei­ne har­mo­ni­sche, er­folg­rei­che und fast un­fall­freie Tour.“

von Eva Pfeiffer

Gießener Anzeiger

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