Klaus Kramer spricht vor CDU-Senioren

Die Rolle von Naturwissenschaftund Technik in der Medizin erläuterte der Vorsitzende der Senioren-Union des Kreises, Prof. Klaus Kramer. „Ist Medizin heute ohne Chemie, Physik und Technik denkbar?“ lautete die Frage, der Kramer nachging. Der Referent wies auf die vielen Geräte hin, die heutzutage zu einer Arztpraxis gehören.

So arbeitet der Arzt für Allgemeinmedizin etwa mit einem Blutdruckmessgerät und einem Stethoskop. Der Hals-Nasen- Ohrenarzt messe unter anderem die Wahrnehmung verschieden hoher Töne und verschreibe gegebenenfalls Hörgeräte, die ohne Mikroelektronik nicht herstellbar wären. Der Augenarzt bediene sich optischer Messgeräte und verschreibe  Brillen, manche Augenärzte operierten mit Lasertechnik, berichtete Kramer.

Sogar die einfachsten medizinischen Arbeitsmittel wie Skalpelle und Scheren seien technische Produkte. In diesem Zusammenhang wies Kramer, der an der Fachhochschule Gießen-Friedberg lehrte, darauf hin, dass sein ehemaliger Fachbereich „Technisches Gesundheitswesen“an der Fachhochschule Gießen als erster den Studiengang „Technische Hygiene“ eingeführt habe. In Krankenhäusern und Kliniken werden nach Kramers Aussage aber weit mehr technisch aufwendige und zum Teil sehr teure Geräte verwendet, besonders in den Operationssälen und auf Intensivstationen.

Bei der Handhabung dieser komplizierten Geräte geschähen mitunter schwerwiegende Bedienungsfehler. „Um dies abzustellen wurde an der Ingenieurschule Gießen nach Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der  Stiftung des Volkswagenwerks Fachleute ausgebildet“, informierte der Referent. Kramer beleuchtete ebenfalls den Kostenaspekt. „Würde man heute die Medizintechnik zwecks Kostenersparnis abschaffen, würde bei uns die Sterblichkeit rasant ansteigen und die Lebenserwartung bei etwa 30 bis 40 Jahren liegen, also wie im Mittelalter oder wie in den rückständigsten Entwicklungsländern. Kosteneinsparungen auf dem Gesundheitssektor von weit mehr als drei Prozent lassen sich aber allein durch gesundheitsbewusstes Verhalten der Bevölkerung erzielen.“

Bis zu Beginn der siebziger Jahre habe es außer lichtoptischen Methoden wie der Mikroskopie nur Röntgenbilder mit großflächigen Silberbromid-Filmen in Kassetten mit fluoreszierenden Verstärkerfolien, bildgebende Nukleardiagnostik mit einer Auflösung von nur einem Zentimeter und Ultraschall-Einzelbilder mit ebenfalls schlechter Auflösung gegeben. Heute seien Computertomographie, Kernspintomographie und „sehr raffinierte Kombinationen aus anderen Verfahren wie die Positronen- Emissions-Computertomographie (PET) hinzugekommen.

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