GIES­SEN (ebp). Mit Jens Spahn und Hel­ge Braun rühr­ten am Sams­tag­abend im Stadt­ca­fé gleich zwei CDU-Bun­des­po­li­ti­ker die Wahl­kampf-Wer­be­trom­mel. Und auch Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel war bei der Ver­an­stal­tung der Kreis­ver­bän­de von CDU und Jun­ger Uni­on mit von der Par­tie – wenn auch nur als Wahl­pla­kat am La­ter­nen­mast.
Mit ei­ni­ger Ver­spä­tung, denn bei­de Her­ren wa­ren zu­vor noch auf an­de­ren Wahl­kampf-Ver­an­stal­tun­gen un­ter­wegs, klapp­er­ten der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär beim Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter und der Staats­mi­nis­ter im Bun­des­kanz­ler­amt in knapp ei­ner Stun­de gleich ei­ne gan­ze Rei­he von The­men ab. Los ging es mit In­teg­ra­ti­on: „Deutsch­land ist ei­nes der größ­ten Ein­wan­de­rungs­län­der der Welt“, sag­te Spahn. Gleich­zei­tig ge­be es nur „we­ni­ge Län­der, wo es ab dem er­sten Tag so viel Un­ter­stüt­zung gibt“. Da­für müs­se man aber auch et­was er­war­ten dür­fen. Die Fra­ge müs­se lau­ten „,Wo kann ich mit an­pa­cken?’ und nicht ,Wo kann ich ei­nen An­trag stel­len?’“, so Spahn. Wer je­doch nicht als Flücht­ling an­er­kannt wer­de, müs­se schnell wie­der ab­ge­scho­ben wer­den – das sei für bei­de Sei­ten fai­rer und nur so kön­ne die Ak­zep­tanz für die Auf­nah­me von Ge­flüch­te­ten auf Dau­er er­hal­ten blei­ben.
Für Hand­wer­ker sieht der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär ro­si­ge Zei­ten kom­men. Denn die­se wür­den „bald mehr ver­die­nen als man­che An­wäl­te – weil wir sie brau­chen“. Spahn be­klag­te, dass sich zu we­ni­ge Schul­ab­gän­ger für ei­ne Aus­bil­dung ent­schei­den wür­den. Es sei „völ­lig ga­ga“ zu glau­ben, dass nur das Ab­itur zäh­le. „Ei­ne dua­le Aus­bil­dung ist ei­ne klu­ge Ent­schei­dung“. An­ge­sichts des Fach- und Ar­beits­kräf­te­man­gels müss­ten Be­trie­be auch äl­te­ren Be­wer­bern ei­ne Chan­ce ge­ben. Gleich­zei­tig müs­se das frei­wil­li­ge Wei­ter­ar­bei­ten nach dem Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters er­leich­tert wer­den.
Für Staats­mi­nis­ter Braun ist Eu­ro­pa „ei­nes der wich­tigs­ten The­men in den näch­sten Jah­ren“. Der Bre­xit kön­ne ei­ne Chan­ce sein, wenn er rich­tig über die Büh­ne ge­bracht wer­de. Gleich­zei­tig müs­se aber auch das Ver­hält­nis der ver­blie­be­nen Län­der in der EU un­ter­ein­an­der neu de­fi­niert wer­den und den Na­tio­nal­staa­ten wie­der mehr Sou­ver­äni­tät ge­ge­ben wer­den. Die CDU wol­le Eu­ro­pa in der Tra­di­ti­on von Alt­kanz­ler Hel­mut Kohl zu­sam­men­hal­ten, die SPD da­ge­gen die EU mit deut­schen Steu­er­geld­ern ret­ten. „Je­des Land ist für sei­ne Schul­den selbst ver­ant­wort­lich“, er­klär­te Braun. Al­les an­de­re sei „ge­fähr­lich für die Ak­zep­tanz Eu­ro­pas“.
Die Tür­kei ha­be da­ge­gen „ganz si­cher kei­ne Zu­kunft in Eu­ro­pa“, sag­te Spahn, man brau­che sie je­doch für den Frie­dens­pro­zess in Sy­rien. Bei der Ein­rei­se in die Tür­kei kön­ne sich der­zeit kei­ner si­cher sein, nicht im Ge­fäng­nis zu lan­den. Der Staats­se­kre­tär kri­ti­sier­te au­ßer­dem den Auf­ruf zum Boy­kott der Bun­des­tags­wahl durch Prä­si­dent Re­cep Tayyip Er­do­gan: „Wer in Deutsch­land lebt, braucht kei­ne Emp­feh­lun­gen aus An­ka­ra. Wir ver­bit­ten uns je­de Ein­mi­schung in un­se­re in­ter­nen An­ge­le­gen­hei­ten.“

Gießener Anzeiger

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