Der Neujahrsempfang der heimischen CDU in der Pohlheimer Volkshalle hat Tradition. Und doch war gestern Abend vieles ganz anders.

Das Treffen begann bereits um 18 Uhr und wurde von einem Staatsminister eröffnet. Der Ehrengast wurde mit Spannung erwartet, auch weil er sich erst einmal vorstellen musste. Selbst die Töne klangen anders als gewohnt: Zu hören war kein Gesangverein, es spielte die Band „Fab Four“. Die SPD wurde nicht ein einziges Mal gescholten (Koalition in Berlin), und auch über die Grünen war kein böses Wort zu hören (Koalition in Wiesbaden). Zudem es gab noch eine bislang einzigartige Ehrung (siehe Bericht unten).

Der Staatsminister, der die rund 350 Gäste begrüßte, war Kreisvorsitzender Helge Braun, der neuerdings im Kanzleramt arbeitet. Er ist, wie er sagte, fasziniert von seinem Job, hat aber dabei nicht vergessen, dass dieses Amt auf der Entscheidung der Wähler und die Unterstützung der Freunde vor Ort beruht. Und natürlich auf Kanzlerin Angela Merkel. Sie war es auch, die im Dezember den Ehrengast gefragt hat, ob er neuer Generalsekretär der CDU in Deutschland werden möchte. Peter Tauber hat ja gesagt. Er hat den Job, von dem der 39-Jährige gestern sagte: „Ich werde dafür bezahlt, dass ich streite.“ Aber Streit gehöre nun einmal zu einer Demokratie, auch wenn ihm persönlich Streit, der zu nichts führt, nicht gefällt. Obwohl er meint, dass Journalisten Streit und Diskussion in ihrer Berichterstattung nicht unterscheiden könnten, war der neue CDU-Generalsekretär in Pohlheim weder auf das eine noch auf das andere aus. Wir könnten zuversichtlich nach vorne schauen, gerade in Deutschland und im Vergleich mit anderen Ländern. Zum Thema Rente versicherte er, „dass ich noch keinen jungen Menschen getroffen habe, der seiner Mutter die Mütterrente abspricht, weil sie die nicht verdient hätte“. Rente und Breitband – die Politik in Berlin wolle beides machen. Für Junge und Alte.

Häufig wurde seine 25-minütige Rede mit Beifall bedacht. Auch als er von Europa schwärmte („Früher sind die Völker mit Waffen aufeinander los, heute wählen wir ein gemeinsames Parlament“) oder den Gießener Staatsminister als „fröhlichen Helge“ beschrieb, dessen Zuversicht ein Beispiel für viele andere sein sollte.

Zum politischen Bekenntnis von Peter Tauber gehörte auch dies: „Wir haben nicht immer recht“. Oder: „Am Ende muss man zu Gemeinsamkeiten kommen.“ Am Ende erhielt der Generalsekretär nicht nur Beifall, sondern von Helge Braun als Geschenk eine Krawatte. Braun: „Seit er Generalsekretär ist, trägt er so etwas.“ Die Krawatte zeigt sich übrigens in schwarz/grün. Hessen lässt grüßen.

Viel Lob in seinem Grußwort hatte auch der CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann: Für Peter Tauber – „ein kreativer Mann. Angela Merkel hat recht gehabt, ihn zu berufen.“ Für Helge Braun – mit dem die Kanzlerin ebenfalls eine gute Wahl getroffen habe. Für Volker Bouffier – „was der bewerkstelligt hat. Ein toller Typ. Ich bin froh, dass wir eine solche Regierung haben.“ Und für Europa – „Europa ist viel zu wertvoll, um es Extremisten (gemeint war unter anderem die AfD) zu überlassen.“

(Quelle: Gießener Anzeiger)

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