Der Stadtverband der CDU lehnt die Forderung der Gießener Linken entschieden ab, eine Büste der vor zwanzig Jahren verstorbenen Antifaschistin und Kommunistin Ria Deeg zu errichten.

Die 1987 mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnete Deeg begann nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit der Verteilung von Flugblättern und der Unterstützung von Familien verhafteter Personen.
„Wir müssen den Menschen Respekt zollen, die unter dem Einsatz ihres Lebens das Unrechtssystem der Nationalsozialisten bekämpft haben. Zurecht wurde Ria Deeg daher auch mit der Ehrennadel der Stadt Gießen ausgezeichnet. Eine weitere große und dauerhafte Anerkennung ihrer Lebensleistung durch die mögliche Aufnahme in die Riege der Gießener Köpfe rechtfertigt allerdings einen erneuten Blick auf ihr Leben und insbesondere auf ihre zweite Lebenshälfte in Freiheit und Demokratie.“, so Kathrin Schmidt.

Mit dem ähnlichen Eifer, mit dem Deeg gegen die Nationalsozialisten gekämpft hat, habe sie anschließend ein anderes Unrechtssystem unterstützt und verteidigt. Nachdem sich Ria Deeg zunächst für den Stalinismus einsetzte, bekämpfte sie durch ihre Mitarbeit in der später verbotenen DKP das System der freiheitlichen Demokratie, das sie heute ehren solle. „Das Notaufnahmelager in Gießen war für die DDR-Bürger Sinnbild des Ziels, in einer freiheitlichen Demokratie zu leben. Jeder in der DDR, der den Namen Gießen kannte, verknüpfte diesen mit Freiheit, Demokratie und Menschenrechten - also dem genauen Gegenteil dessen, wofür Ria Deeg lange Zeit kämpfte. Dass Kommunisten und Linke in Gießen eine weitere Ehrung ihrer Genossin vorantreiben, wundert niemanden. Dass allerdings nun auch Teile der SPD und Grünen dem Vernehmen nach Deeg ehren möchten, verwundert doch sehr. Alle, die sich zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bekennen, können die Augen nicht davor verschließen, dass ihre zweite Lebenshälfte Ria Deeg völlig disqualifiziert habe, sie in die Riege der Gießener Köpfe aufzunehmen.“, ergänzt Martin Schlicksupp für den CDU-Stadtverband.

Bei einem Gießener Kopf müsse das Leben als Ganzes bewertet werden. Es passe daher nicht in die vielfältige, tolerante und offene Universitätsstadt, politisch radikale Menschen auf einen Sockel zu heben und zu ehren, die in ihrer zweiten Lebenshälfte gegen die Freiheit gekämpft haben, in der die Bürgerinnen und Bürger der Stadt heute leben.

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